B Demografie und Erwerbsbeteiligung

  1. Einführung und Resümee
    Das Angebot an Arbeitskräften wird in den kommenden Jahrzehnten, wenn man allein den demografischen Wandel berücksichtigt, massiv zurückgehen. Das Erwerbspersonenpotenzial, also alle Personen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, sinkt ohne Zuwanderung und bei konstanter Erwerbsbeteiligung von 45,7 Millionen Personen im Jahr 2014 auf unter 31 Millionen im Jahr 2050. Allerdings kann der demografische Effekt je nach Umfang der Zuwanderung mehr oder weniger stark kompensiert werden.
  2. Demografischer Wandel und Beschäftigung
    Die künftige Alterung der Bevölkerung ist bereits im heutigen Altersaufbau vorgezeichnet. Wir werden erst älter, dann weniger. Allerdings wird sich dieser Prozess regional sehr unterschiedlich entwickeln. In Ostdeutschland arbeiten sehr viel mehr Ältere als im Westen, und in ländlichen Räumen mehr als in städtischen. Die Zuwanderung aus dem Ausland und Wanderungsbewegungen innerhalb Deutschlands dürften das Stadt-Land-Gefälle künftig verstärken.
  3. Frauenerwerbstätigkeit
    Eine stärkere Erwerbsbeteiligung von Frauen würde das Erwerbspersonenpotenzial nur moderat erhöhen. Tatsächlich sind Frauen in Deutschland bereits größtenteils beschäftigt, zumindest soweit es die mittleren Altersgruppen betrifft. Die altersspezifischen Erwerbsquoten von Frauen liegen nur noch wenig unter denen der Männer. Allerdings arbeitet etwa jede zweite Frau in Teilzeit.
  4. Erwerbsbeteiligung Älterer
    Auch bei der Beschäftigung Älterer steht Deutschland schon jetzt vergleichsweise gut da. Trotzdem wird bei den Älteren voraussichtlich noch eine stärkere Arbeitsmarktpartizipation zu beobachten sein. Dies ist eine Folge der „Rente mit 67“, deren Einführung erst 2029 abgeschlossen sein wird. Trotz der in die andere Richtung weisenden „Rente für besonders langjährig Versicherte“ („Rente mit 63“) ist zu erwarten, dass der Anteil Älterer, die noch im Erwerbsleben stehen, künftig zunehmen wird.
  5. Erwerbsbeteiligung im internationalen Vergleich
    Deutschland ist bei der Erwerbsbeteiligung vom Mittelfeld in die europäische Spitzengruppe aufgestiegen. Beim Arbeitsvolumen, dem Produkt aus Arbeitszeit und Beschäftigten, wären in Deutschland aufgrund des hohen Teilzeitanteils dennoch beachtliche Reserven vorhanden. Insgesamt jedoch ist das nicht ausgeschöpfte Arbeitskräftepotenzial in Deutschland mit 11 Prozent trotzdem weitaus niedriger als im EU-Durchschnitt mit 19 Prozent.