H Migration und Integration

  1. Einführung und Resümee
  2. Neue Trends der Zuwanderung nach Deutschland
    Im Jahr 2015 wurde mit einem Wanderungsüberschuss von 1,1 Millionen Personen der vorläufige Höhepunkt der Zuwanderung seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland erreicht. Für den deutlichen Anstieg sind im Wesentlichen drei Faktoren verantwortlich: Erstens, die Umlenkung der Migrationsströme innerhalb der EU nach Deutschland im Gefolge der Finanz- und Wirtschaftskrise. Zweitens: Das Auslaufen der Übergangsfristen für die Arbeitnehmerfreizügigkeit in Deutschland. Drittens: der weltweite Anstieg der Fluchtmigration, auch nach Europa und hier insbesondere nach Deutschland.
  3. Fluchtmigration nach Deutschland
    Die Ursachen für den Anstieg der Fluchtmigration nach Europa sind vielfältig: Erstens ist die Zahl der Geflüchteten weltweit durch Kriege, Bürgerkriege und politische Verfolgung stark gestiegen. Zweitens haben sich die Bedingungen für die geflüchteten Menschen in den Nachbarstaaten der Krisenländer verschlechtert. Drittens konzentrieren sich die wichtigen Konfliktherde wie Syrien und der Irak auf Regionen, die geografisch nicht allzu weit von Europa entfernt liegen. Das IAB schätzt das Erwerbspersonenpotenzial der Geflüchteten, das tatsächlich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht, im Mittel des Jahres 2017 auf rund 400.000 Personen, im langfristigen Durchschnitt auf rund 460.000 Personen.
  4. Qualifikation von Migranten und Geflüchteten
    In den 2000er Jahren stieg der Anteil der Hochschulabsolventen unter den Neuzuwanderern stark an. Er erreichte im Jahr 2010 mit 46 Prozent seinen vorläufigen Höhepunkt. Bei den Migranten mit Fluchthintergrund zeigt sich eine stark Polarisierung der Allgemeinbildung: Am oberen Ende des Qualifikationsspektrums haben 37 Prozent der Geflüchteten ab 18 Jahren weiterführende Schulen besucht, und 32 Prozent dort einen Abschluss gemacht. Weitere 31 Prozent haben Mittelschulen besucht und 22 Prozent einen Mittelschulabschluss erworben. Auf der anderen Seite des Qualifikationsspektrums haben zehn Prozent nur Grundschulen und neun Prozent gar keine Schulen besucht.
  5. Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten und anderen Migranten
    Die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten dauert länger als bei anderen Migranten. So haben nur rund sechs Prozent der nach Deutschland Geflüchteten im Zuzugsjahr (1995 bis 2014) eine Beschäftigung gefunden, andere Migranten jedoch zu 20 Prozent. Während unter den anderen Migranten nach zwei Jahren rund 50 Prozent und nach drei Jahren rund 60 Prozent einer Beschäftigung nachgehen, dauert es bei den Geflüchteten rund sechs Jahre bzw. zehn Jahre, um jeweils einen ähnlichen hohen Integrationsgrad zu erreichen. Nach rund 15 Jahren haben sich die Beschäftigungsquoten der beiden Gruppen bei rund 70 Prozent angeglichen.