Methodik


Informationen zu Kapitel B „Demografie und Erwerbsbeteiligung“

Definition Erwerbsquote

Die allgemeine Erwerbsquote wird der International Labour Organization (ILO) zufolge als Anteil der Erwerbspersonen an der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter von 15 bis unter 65 Jahren ausgewiesen. Die Erwerbspersonen setzen sich aus den Erwerbstätigen und den Erwerbslosen zusammen. Als erwerbstätig werden alle Personen gezählt, die eine bezahlte Tätigkeit ausüben, unabhängig davon, ob diese in Vollzeit oder lediglich in einer Stunde pro Woche stattfindet. Erwerbslos sind Personen ohne Erwerbstätigkeit, die sich in den letzten vier Wochen aktiv um eine Arbeitsstelle bemüht haben und sofort, d. h. innerhalb von zwei Wochen, für die Aufnahme einer Tätigkeit zur Verfügung stehen. Diese Definition liegt der Arbeitskräfteerhebung zugrunde, die in allen Staaten der EU in harmonisierter Form erhoben wird und als Datengrundlage für die Vergleiche verwendet wird. In Deutschland basieren auch die Erwerbsquoten des Mikrozensus auf dieser Definition.


Informationen zu Kapitel E „Löhne und Lohnstruktur“

Der Arbeitsmarktspiegel

Der „IAB-Arbeitsmarktspiegel“ stützt sich auf einen neuartigen, vom IAB auf Grundlage der Datenbestände der Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) entwickelten Datensatz, der einen speziell auf die Einführung des Mindestlohns zugeschnittenen Blickwinkel zulässt. Er bildet somit eine wichtige Ergänzung zur amtlichen Statistik. Die im Arbeitsmarktspiegel dargestellten Entwicklungen sind in erster Linie beschreibend und dienen der frühzeitigen Information über neueste Arbeitsmarktentwicklungen. Sie können eine umfangreiche, wissenschaftliche Evaluation des Mindestlohngesetzes nicht ersetzen.

Die IAB-SOEP Migrationsstichprobe

Die IAB-SOEP Migrationsstichprobe ist eine Befragung von Personen mit Migrationshintergrund. Im Jahr 2013 wurden circa 5.000 Personen befragt. Bei einer Zustimmung der Befragten wurden die Befragungsdaten mit den administrativen Daten des IAB aus den Meldungen der Arbeitgeber und der Sozialversicherungsträger verknüpft, sodass Arbeitsmarktverläufe der Vergangenheit abgebildet und die Einstiegslöhne der Zuwanderer beobachtet werden können.

Agnese Romiti und Parvati Trübswetter (Abschnitt E.III) verwenden in ihrer Analyse die Befragungsdaten und legen die erste Meldung eines Arbeitgebers für die befragten Personen aus den Integrierten Erwerbsbiografien (IEB) zugrunde, um den Arbeitsmarkteintritt abzubilden, weiterhin das Jahr des Arbeitsmarkteintritts und die Höhe des ersten Lohnes. Ausgeschlossen werden Ausbildungsverhältnisse. Als Ausbildungsvariable nutzen sie die Berufsbildung, die die Arbeitgeber der ersten sozialversicherungspflichtigen Anstellung der Zuwanderer angegeben haben. Als Vergleichsgruppe werden Deutsche in derselben Altersgruppe verwendet und die relevanten Informationen aus den IEB entnommen, sodass ein vergleichbarer Datensatz für beide Gruppen verwendet wird.

Zugrunde liegendes Regressionsmodell:
Den Zahlen in Abschnitt E.III liegt ein Modell zugrunde, das die realen Lohnhöhen in Abhängigkeit von Herkunft, Geschlecht, Bildung, Jahr des Arbeitsmarkteintritts, Alter, Berufsbildungsabschluss und Arbeitszeit vorhersagt. Es werden nur westdeutsche Arbeitsverhältnisse berücksichtigt, da die Daten der Zuwanderer in unserer Stichprobe fast ausschließlich aus Westdeutschland stammen. Weiterhin werden nur Personen berücksichtigt, die nach 1994 das erste Mal abhängig beschäftigt sind, da die verwendete Stichprobe der Zuwanderer einen Fokus auf die Zuwanderung nach 1994 legt. Auf eine Beschränkung auf einheimische Betriebswechsler wird allerdings verzichtet, weil diese Gruppe andere Eigenschaften aufweist als die Grundgesamtheit der Arbeitnehmer. Aus dem Modell treffen wir Vorhersagen, inwieweit sich die relativen Einstiegslöhne der Zuwanderer von den Löhnen der Einheimischen unterscheiden.


Informationen zu Kapitel G „Digitalisierung“

Die IAB-ZEW-Betriebsbefragung „Arbeitswelt 4.0“

Die IAB-ZEW-Betriebsbefragung zum Thema „Arbeitswelt 4.0“ ist eine repräsentative Befragung der in Deutschland ansässigen Firmen zur Bedeutung und Nutzung moderner digitaler Technologien. Die eingesetzte Stichprobe wurde aus der Betriebedatei des IAB geschichtet gezogen. Als Schichtungsmerkmale dienten vier Betriebsgrößenklassen, fünf Sektorenaggregate und die Angabe, ob der Betrieb in Ost- oder Westdeutschland ansässig war. Die Betriebsleiter bzw. in großen Betrieben die technischen Leiter wurden zu ihrem tatsächlichen und zukünftig zu erwarteten Einsatz moderner digitaler Technologien (z. B. Cyber-Physische Systeme, Smart Factory, Internet der Dinge oder Big Data, Cloud Computing, Online-Plattformen oder Shop-Systeme) und den damit einhergehenden Veränderungen der Beschäftigtenanzahl sowie der Qualifikationsstruktur, der Tätigkeiten, Fähigkeiten und Kompetenzen ihrer Beschäftigten befragt. Die telefonische Befragung wurde von uzbonn – Gesellschaft für empirische Sozialforschung und Evaluation im April/ Mai 2016 durchgeführt. Insgesamt haben 2.032 Betriebe in Deutschland an der Befragung teilgenommen.

Das Projekt „Arbeitsqualität und wirtschaftlicher Erfolg“

Das Projekt „Arbeitsqualität und wirtschaftlicher Erfolg“ wird vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und vom IAB finanziert. Die inhaltlichen Arbeiten erfolgen gemeinsam von dem IAB, dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung und der Universität Köln. Die den Auswertungen zugrundeliegenden Daten entstammen einer Panel-Befragung, dem Linked Personnel Panel 2015. Zuerst wurden 771 Betriebe zu „Personalarbeit und Unternehmenskultur“ befragt, daran anschließend 7.109 Beschäftigte aus diesen Betrieben. In die Betriebsbefragung werden ausschließlich Betriebe aus der Privatwirtschaft mit mindestens 50 Beschäftigten einbezogen; für diese Gruppe sind die abgefragten Informationen repräsentativ. Die Betriebsbefragung wird von Infratest Sozialforschung durchgeführt, die Beschäftigtenbefragung vom Infas Institut für angewandte Sozialforschung.


Informationen zu Kapitel H „Migration und Integration“

Wann dürfen Geflüchtete arbeiten?

Einen unbeschränkten Arbeitsmarktzugang haben Geflüchtete erst mit einem anerkannten Schutzstatus. Denjenigen, die sich als Asylbewerber oder Geduldete in Deutschland aufhalten, kann unter bestimmten Bedingungen eine Beschäftigungserlaubnis erteilt werden:

  • Asylbewerbern kann drei Monate nach ihrer Registrierung die Erlaubnis erteilt werden, einer abhängigen Beschäftigung nachzugehen (§ 61 AsylG). Voraussetzung ist, dass sie nicht mehr verpflichtet sind, in einer Aufnahmeeinrichtung zu wohnen (§ 61 (1) AsylG). Diese Verpflichtung gilt mindestens für sechs Wochen und kann bis maximal sechs Monate ausgedehnt werden (§ 47 (1) AsylG). Asylbewerber aus sicheren Herkunftsländern[1], die ihren Asylantrag nach dem 31. August 2015 gestellt haben, müssen sich bis zur Entscheidung über ihre Asylanträge in einer Aufnahmeeinrichtung aufhalten und sind somit vom Arbeitsmarktzugang während des Asylverfahrens ausgeschlossen (§ 47 (1a) AsylG).
  • Die Ausländerbehörden holen vor Erteilung der Arbeitsgenehmigung die Zustimmung der BA ein. Dabei stützt sich die BA auf drei Kriterien: (1) die Auswirkungen der Beschäftigung von Asylbewerbern auf den lokalen Arbeitsmarkt, (2) ob nicht ein bevorrechtigter Deutscher oder EU- bzw. EWR-Staatsangehöriger für die Stelle infrage kommt (Vorrangprüfung) und (3) ob Arbeitsbedingungen und Entlohnung der Stelle den ortsüblichen Bedingungen entsprechen (Vergleichbarkeitsprüfung). Durch das Integrationsgesetz wurde die Vorrangprüfung in Arbeitsagenturbezirken mit guter Arbeitsmarktlage (133 von 156 Agenturbezirken) vorläufig ausgesetzt. Ab einer Aufenthaltsdauer von 15 Monaten entfällt die Prüfung der Auswirkungen auf den lokalen Arbeitsmarkt und die Vorrangprüfung, ab einer Aufenthaltsdauer von vier Jahren die gesamte Prüfung durch die BA.
  • Für Geduldete gelten grundsätzlich die gleichen Bedingungen des Arbeitsmarktzugangs wie für Asylbewerber (§ 32 (1) BeschV). Geduldete sind Migrantinnen und Migranten ohne Aufenthaltserlaubnis, die – oft nach abgelehntem Asylantrag – eigentlich ausreisen müssten (§ 60a Aufenthaltsgesetz). Etwa wegen Krieg im Herkunftsland oder fehlenden Personendokumenten wird ihre Abschiebung aber vorläufig ausgesetzt und ihr Aufenthalt in Deutschland geduldet. Ausländerbehörden können eine Duldung für einen bestimmten Zeitraum (z. B. sechs Monate) erteilen und dann gegebenenfalls immer wieder verlängern. Sie erhalten keinen Arbeitsmarktzugang, wenn sie eingereist sind, um Sozialleistungen zu erhalten und wenn sie sich aufenthaltsbeendenden Maßnahmen entziehen. Staatsangehörige aus sicheren Herkunftsländern, deren nach dem 31. August 2015 gestellter Asylantrag abgelehnt wurde, erhalten keine Arbeitserlaubnis (vgl. auch Bauer/Schreyer 2016; Schreyer et al. 2015).
  • Asylbewerber mit Aufenthaltsgestattung und Geduldete können unabhängig vom Alter ohne Wartefristen eine schulische oder berufliche Ausbildung aufnehmen. Mit Aufnahme einer betrieblichen oder schulischen Ausbildung wird eine Duldung für die gesamte Ausbildungsdauer erteilt. Auch viele ausbildungsvorbereitenden bzw. -begleitenden Förderinstrumente (z. B. Einstiegsqualifizierung oder assistierte Ausbildung) sind möglich. Nach Ausbildungsabschluss kann zur Stellensuche eine Duldung von sechs Monaten und für eine qualifizierte Beschäftigung eine Aufenthaltserlaubnis von zwei Jahren erteilt werden (§§ 18a und 25a AufG).
  • Asylbewerber mit einer Aufenthaltsgestattung können keiner selbständigen Tätigkeit nachgehen, Geduldete nur nach Zustimmung der Ausländerbehörden. Mit der Verabschiedung des Integrationsgesetzes wurde das Verbot der Arbeitnehmerüberlassung für beide Gruppen aufgehoben.

Literatur
Bauer, Angela; Schreyer, Franziska (2016): Ausbildung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen: Sinnvoll ist Unterstützung über Volljährigkeit hinaus, IAB-Kurzbericht Nr. 13.

Schreyer, Franziska; Bauer, Angela; Kohn, Karl-Heinz P. (2015): Betriebliche Ausbildung von Geduldeten: Für den Arbeitsmarkt ein Gewinn, für die jungen Fluchtmigranten eine Chance, IAB-Kurzbericht Nr. 1.


1) Albanien, Bosnien-Herzegowina, Ghana, Kosovo, Mazedonien, Montenegro, Senegal, Serbien.